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Die WGKK zahlt im Schnitt 45,-- Euro pro Patient pro Quartal dies beinhaltet bereits alle zusätzlichen Leistungen inkl. apparativer Untersuchungen

Liebe PatientenInnen,

aus wirtschaftlicher Notwendigkeit heraus sind wir angehalten, Sie über gewisse Umstände aufzuklären: Der oben genannte Betrag umfasst das gesamte (Brutto)Honorar, welches wir als Hausärzte durchschnittlich pro PatientIn für 3 Monate medizinische Versorgung erhalten.

 

Dabei kann es durchaus vorkommen, dass PatientenInnen auch 10 mal und öfters innerhalb dieser 3 Monate  unsere Hilfe in Anspruch nehmen. 

Sie können sich also vorstellen, dass in diesen Fällen ein Zeitaufwand von mindestens einer Stunde für uns entsteht.

Als Honorar ergeben sich in diesem Fall Euro 45,-- brutto pro Stunde. Damit müssen wir sämtliche Kosten ( Ordinationsräume, Gehälter, Abgaben, Verbrauchsmaterial, Ärztekammerbeiträge etc) abdecken. Es liegt auf der Hand, dass sich damit nicht einmal die Fixkosten der Ordination abdecken lassen! 

Ein Hausbesuch schlägt sich gerade einmal mit Euro 47,-- zu buche. Zum Vergleich: Die meisten Handwerker verlangen allein eine Anfahrtspauschale von ca. Euro 30,--. Die eigentliche Leistung wird selbstverständlich extra in Rechnung gestellt und kostet ein Vielfaches davon. 

Natürlich gibt es auch Fälle, in denen ein PatientIn nur einmal pro Quartal kommt, dann vergütet die WGKK einmalig Euro 18,74 plus einen Hausarztzuschlag von Euro 10,64. Bei zusätzlichen Leistungen wie Blutabnahmen kommen kleine einstellige Beträge hinzu, sodass sich im optimalsten Fall maximal 40,-- bis 50,-- Euro ergeben.

 

Ein Beispiel: 

Hr. Gesund, 43 Jahre alt,  leidet seit 4 Wochen unter Schmerzen in der rechten Hüfte beim Laufen. Diese Beschwerden belasten ihn sehr, da das Laufen sein einziger Ausgleich neben Beruf und Alltagsstress ist und dies zur Zeit keinen Spaß mehr macht. Auch im Alltag hat er mittlerweile Schmerzen . Er hat schon viel im Internet gelesen und ist sich ganz sicher zu wissen, was er hat. Nun geht er zu seinem Hausarzt und möchte, dass dieser ihm hilft dieses Problem zu lösen.

Nachdem er sich extra von der Arbeit und sonstigen Verpflichtungen freigeschaufelt hat wartet er nun schon 30 Minuten im Wartezimmer, bis er endlich aufgerufen wird.  Jetzt erwartet er, dass der Arzt ihm aufmerksam zuhört und ihm optimal hilft. Schließlich zahlt er ja monatlich nicht wenig an Sozialversicherungsabgaben.

Also beginnt er, dem Arzt von seinem Leid zu erzählen, was er selbst schon alles unternommen habe und welche Untersuchungen er gerne hätte. Da er schon lange auf diesen Moment gewartet hat und es ihm wirklich wichtig ist, ist er etwas nervös, vergisst wichtige Dinge und erzählt etwas unstrukturiert. Nach 5 Minuten Erzählung des Patienten fragt der Arzt ein paar Dinge nach, da ihm der genaue Schmerzbeginn, Lokalisation und Charakter und ein paar wichtige andere Details, nicht ganz klar sind. Dabei fallen Hr. Gesund  noch ein paar Dinge ein, die er unbedingt sagen wollte, aber zunächst in der Aufregung vergessen hatte.

Dann wird der Patienten gebeten, sich auf die Liege zu legen, damit der Arzt die Hüfte des Patienten untersuchen kann. Bis der Patient ausgezogen auf der Liege liegt, vergehen weiter 2 Minuten. Diese Zeit nutzt der Arzt die Anamnese zu dokumentieren, parallel durchläuft er geistig mögliche Differentialdiagnosen.  Er untersucht die Hüften und angrenzenden Gelenke des Patienten und schlägt erste diagnostische Schritte vor. Der Patient ist jedoch damit nicht ganz einverstanden, da er ein anderes Vorgehen von einem Sportkollegen empfohlen bekommen hat, und er auch andere Empfehlungen in diversen Laufforen bekommen habe. Nachdem der Arzt dem Patienten aufwendig erklärt, warum  er aufgrund der Anamnese und Untersuchung sowie Richtlinien der Krankenkasse ein gewisses diagnostisches Vorgehen vorschlägt, ist der Patient zwar nicht erfreut, versteht den Arzt aber zumindest.

Da der Arzt selbst auch begeisterter Läufer ist, ergibt sich noch ein kurzer "Smalltalk" über diverse Lauferfahrungen und Tipps zur Verletzungsprophylaxe, über die sich der Patient sehr freut. Schließlich wird er gebeten mit den Befunden wieder zu kommen. Nach 20 min beim Arzt verlässt er also den Behandlungsraum und möchte dann von der Assistentin am Empfang noch eine Empfehlung wo er das Röntgen machen lassen solle und wann er am besten wieder kommen um möglichst kurz zu warten. 

Währenddessen dokumentiert der Arzt noch die restlichen Untersuchungsergebnisse im Computer ein möchte Leistungen verrechnen. Dabei bemerkt er, dass er neben den Fallpauschale von Euro 29,38 nichts mehr mit der Krankenkasse abrechnen kann. Der Patient wird jedoch im selben Quartal nochmals kommen, da er ja den Befund besprechen möchte und sicherlich noch jede Menge Fragen hat. 

Der Arzt hat also mindestens 30 Minuten für 29,38 brutto vor Abzug aller Kosten, Steuern und Abgaben gearbeitet. Er hat also soeben Geld verloren und seine Fixkosten nicht abdecken können.

Zur Information: Schmerzen am Bewegungsapparat sind der häufigste Grund warum Patienten ihren Hausarzt aufsuchen!

 

Was möchten wir Ihnen damit eigentlich sagen?

Bitte schätzen Sie die Zeit, die wir Ihnen als KassenpatientIn zur Verfügung stellen können realistisch ein. Ein Unternehmensberater würde für ein Honorar von Euro 40,-- bei gegebener Kostenstruktur einer Ordination maximal 10 Minuten Zeitaufwand für die Behandlung eines Patienten kalkulieren. Von diesen 10 Minuten sind etwa 3-4 Min Verwaltungsaufwand ab zu ziehen. Damit verbleiben ca 6 Minuten Zeit pro Quartal für die eigentliche Behandlung. 

Wir sind also gezwungen möglichst viele Patienten pro Stunde zu behandeln, müssen Fragen abwürgen und nur das allernotwendigste an Untersuchungen selbst durchführen und uns dabei auch noch rechtlich absichern. Den sonst droht im Schadensfall die Klage! Nicht leicht also.

Die ausführliche Besprechung von Befunden, die andere Ärzte für sie erstellt haben oder gar eine 2. Meinung zu Befunden von Privatärzten sind daher keinesfalls möglich!

Aus organisatorischen Gründen sind deshalb auch keine verbindlichen Terminvergaben für Kassenpatienten möglich. Diese wäre ein zusätzlicher Aufwand, den wir so nicht bieten können.

Wir versuchen dennoch, Sie mit Ihren gesundheitlichen Anliegen im Rahmen der von ihren gesetzlichen Krankenversicherung geschaffenen Möglichkeiten bestmöglich zu betreuen, ohne dabei selbst dem wirtschaftlichen Ruin entgegen zu steuern!

Wir helfen gerne - jedoch ohne selbst dabei unter zu gehen!

 

Lesen sie auch folgenden Link der Presse Onlineausgabe vom 13.8.2017:

diepresse.com/home/panorama/oesterreich/5268226/AerztekammerPraesident_Debatte-um-Krankenkassenfusion-Zirkus;